1. Januar 2013
Die 11,5 Stunden Flug von Frankfurt nach Cancun waren schnell um, und schon befand ich mich ganz am Anfang eines komplett neuen Lebensabschnitts. Der grosse Kartong,in dem das Rad eingepackt war, kam ramponiert, mit loechern in Mexiko an. Aus dem groessten Loch purzelte sogleich ein Teil des Zeltes heraus. Unter der Menschenmenge vor dem Flughafen baute ich erst mal alles zusammen und stellte erleichtert fest, dass nichts kaputt und nichts verloren gegangen war.
Zwei Tage zuvor, schnitt ich in der Kaelte Apfelbeaume und nun radelte ich, durch die schwuehle Abendhitze vorbei an Palmen und mir fremdartigen Gewaechsen, die 25 Kilometer vom Flughafen nach Cancun. Es rassten Busse, knatternde Motorraeder und Taxis an mir vorbei.
Etwas geraedert, fand ich ein schoenes Hostel mit Haengematten und lebte mich mit anderen Neuankoemmlingen in der Stadt mit Karibikstrand ein.
Zwischen den Strassen wuchsen ueberall Kokospalmen und in der Obstabteilung im Laden, konnte ich mich nicht zurueckhalten und kaufte einen Berg von Fruechten die ich frisch nicht kannte oder die mir komplett unbekannt waren und hatte eine riessige Freude daran, am Abend mit schaelen und knacken beschaeftigt zu sein und mich den fruchtigen Geschmaeckern der Karibik hin zu geben.
Nach einigen Tagen, die ich mit wirklich netten Menschen verbringen durfte, machte ich mich auf den Weg richtung Sueden. Von Cancun nach Playa del Carmen, von dort nach Tulum, wo ich auch die beruehmte Mayastaette besichtigte, die direkt auf einer Anhoehe am Atlantikstrand liegt. um 8 Uhr morgens schlaenderte ich mit Andacht im Regen ueber die Flaechen der einstigen Mayastaette und versuchte zu fuehlen und wahr zu nehmen, doch nach und nach wimmelte es immer mehr von Touristen und man hoert nur noch ein durcheinander von Wow, great und wonderful.
Naechste Station war in Felipe Carrillo Puerto. Nach 140 km auf der Autobahnradeln, vom Regen ganz durchnaesst, vor einem Supermarkt stehend, kam ich mit einem kleinen, sehr sympatischen Mexikaner ins Gespraech, der englisch konnte. Zwei Stunden spaeter fand ich mich unter dem Vordach seiner einfachen Huette in einer Haengematte wieder und hatte dort zwei wunderschoene Tage. Er arbeitet als Uebersetzer fuer die Mayas und wir hatten so schoene Gespraeche. Es ist ein so wunderbares Gefuehl, Menschen zu begegnen, die aus einer komplett anderen Kultur stammen und trotzdem eine so aehnlich Weltanschaung haben wie ich.
Am naechsten Tag sagte er zu mir " Luki komm mit " und wir gingen in ein nahe gelegenes Radio, wo er einen Vortrag hielt. Ein Radiosender fuer Mayas.
Er fragte mich, ob ich im Radio etwas ueber mich und die Spiritualitaet erzaehlen koennte und was die Deutschen ueber die Mayas wissen wuerden. So uebersetzte er meine Worte in die Mayasprache. Die meissten Europaeher wissen, dass die Mayas einst ein hochentwickelte Kultur waren, aber davon das es Doerfer gibt, wo sich die Menschen nur in der Mayasprache verstaendigen und das der Mayaglaube immer noch praktiziert wird und es Zusammenkuenfte fuer Zeremonien gibt, dass wissen die wenigsten.
In seinem steinigen Garten, wo sich die Huehner tummelten und die Truthaene mit stolz ihr praechtiges Federkleid zur Schau stellten, wuchsen Orangenbaeume, Kokosnuesse und Papayas, von denen ich allen kosten durfte. Es war eine wunderschoene Erfahrung fuer mich, denn die Familie ist materiel arm aber sie schien mir zufriedener und Zeitloser als viele Menschen die in meiner Heimat leben. Das zeigte mir sehr deutlich das innere Zufriedenheit sehr wenig mit dem materiellen Besitz zu tun hat.
Als bald befand ich mich wieder auf dem Rad und fuhr auf abgelegenen Strassen durch viele kleine Mayadoerfer, wo die meisten Menschen stehen blieben, wenn sie mich sahen und mir nachschauten, weil es fuer sie so ungewoehnlich ist, einen Touri zu sehen, der auch noch mit dem Rad unterwegs ist.
Anfangs war es seltsam immer beobachtet zu werden. Doch es ist wirklich einfach, die neugierigen Blicke in ein laecheln umzuwandeln, weil die meissten Menschen wie ein Spiegel von mir selbst sind und das was ich ihnen entgegen bringe kommt auch so wieder zurueck.
In einem kleinen Dorf, mit Namen Magarita kam ich in der Dorfveranstaltungshuette unter. Es sprach sich schnell um, dass sich ein Cringo ueber Nacht im Dorf auffhielt und so brachten mir verschiedene Dorfbewohner Orangen und Mandarinen. Das ist nur ein kleines Beispiel, der Gastfreundschaft, die in den Mayadoerfern vorherrscht.
Eine Woche lang verbrachte ich bei Palenque, bei einer spirituellen Hippizusammenkunft, die den ganzen Dezember andauerte. Es war ein ideales, wunderschoenes Gelaende mit vielen Palmen und einem Bach. Es durfte keine Alkohol getrunken werden.
Ich war ueberwaeltigt, wie viele Menschen sich hier versammelten, die eine so starke schoepferischen Kraft in sich trugen. Es gab keinen Strom fuer Musikanlagen, denn es wurde selbst mit Mundharmonika, Gitarre, und Geige und vielen weiteren Instrumenten musiziert.
Es wurde wunderschoener Koerperschmuck hergestellt und es war ganz normal, dass viele Menschen mit den langen Rastas nackt umherliefen.
Es durfte nichts verkauft, sondern nur getauscht werden. Es gab Plaetze, wo meditiert und Joga praktiziert wurde, es gab Workshops und Klangtherapien und den zwei mal am Tag stattfindenden Foodcirkel, wo sich 500-1000 Brueder und Schwestern, um ein Feuer zusammenfanden. Dort wurden vor dem Essen Zeremonien ab gehalten. In der Nacht gab es Feuershows und es wurde getrommelt und getanzt.
So zog es mich irgendwann weiter und ich trebbelte ueber zwei Tage nach Sant Cristobal ins Hochland. Von 200 Hoehenmeter auf 2300 und ich bemerkte zum ersten mal, wieviel Gewicht ich bei mir hatte. und sortierte erst mal kraeftig unnoetige Dinge aus.
Hier scheint die Baumgrenze nicht wie bei uns auf 1700 Metern zu liegen sonder viel hoeher. Zu meiner verwunderung gab es oben viele Kiefern und den ein oder anderen Pfirsichbaum konnte ich auch entdecken.Ich wuerde euch so gerne Bilder zeigen aber mir ist die Kamera am Zweiten Tag in den Ozean gefallen, muss erst noch eine neue kaufen.