17. Mai 2013
Wen treffe ich zweieinhalb Monate spaeter wieder, nach dem ich das schoene Cuenca einen halben Radeltag hinter mir gelassen habe? Den Franzosen Manu, mit seinem argentinischen Kumpanen Adrian. Die Zwei haben sich in Kolumbien getroffen und sind nun schon einen Monat zusammen unterwegs. Fuer mich beginnt nun die Lehrzeit, des gemuetlichen reisens. Der vom Vater, seit Kindheit antrainierte Radelehrgeiz erleidet eine starke Depression.
Morgens aufstehen, Zelt packen, Mate trinken. Dann gibt es Kakao mit Broetchen. Danach 20 Kilometer radeln, mit vielen kleinen Pausen.
Mittags sitzen wir uns dann in die winzigen Dorfrestaurants , wenn man sie so nennen kann und wie jeden Tag gibts Reis mit Huhn oder Reis mit Yuka, Reis mit Platano(Kochbanane) oder Reis mit Reis-- (fuer mich, Reis mit Spiegeleiern). Konnte mein Vegitarierdasein bisher, bis auf kleine Fischausnahmen beibehalten. Das Essen ist hier sehr guenstig eine Mahlzeit kostet ca 5 Soles(1-3 Dollar)
Doch bevor man sich hinsetzt, muessen erst viele Fragen beantwortet werden
Woher seit ihr, lasst mich raten USA! Wohin fahrt ihr? Wie lange seit ihr unterwegs? Habt ihr Kontakt mit euren Familien? Wieviel kostet das Rad? wieviel Kostet das Zelt ? Wieviel kostet der Schlafsack? Wieviel Geld braucht ihr fuer die komplette Reise? Seit ihr Touristas?
Nach dem Essen geniessen sie ihr Bierchen oder auch zwei und danach machen wir eine Siesta ca. zwei Stunden( manchmal nicht moeglich, weil man von zwanzig Kindern belagert wird), abschliessend gibts wieder Broetchen mit Milch/Kakao und hinterher Rum fuer die Gesundheit.
Und wenn Franciaund Argentina dann noch Lust haben zu radeln gehen noch 20-30 Kilometer auf den Tacho. Ich muss dazu sagen, die letzte Woche war wirklich hart. Zur Grenze nach Peru, war es ein einziges rauf und runter mit herben Schotter. Die huppenden Fahrzeuge rassen auf suedamerikanische Art an uns vorbei und man ist in einer braunen Staubwolke eingehuellt.
Abends organisiert Adrian , der Chef unserer Reisegruppe eine Unterkunft. Wir Campen meisst bei der Feuerwehr, der Polizei oder Fragen den Padre nach einem Raum. Man findet immer einen Platz wenn man das so wichtige Vertrauen ins Leben hat.
Ich habe mit meinen Kompanieros oft die Gelegenheit mich im Unterordnen zu ueben und mein Ego zu zuegeln(: Ich lerne viel von ihnen, muss auch oft zurueckstecken, ich wuerde manchmal gerne an einem Ort laenger oder kuerzer verweilen oder anstatt 40 Kilometer 100 fahren....
Seit Peru haben die Greengorufe wieder stark zugenommen. Es ist vermutlich nach Mama und Papa das erste Wort das ihnen hier beigebracht wird. Ich habe mich mittlerweile damit abgefunden ein nortamerikanischer Greengo zu sein. Waehrend Adrian bei jeder Gelegenheit versucht, klarzustellen, dass er auch ein Latino ist.
Die Landschaft wechselt sehr schnell. An einem Tag radelt man vorbei an schneebedeckten Gipfeln und traegt alle Kleider am Leib, die man in den Taschen findet, am naechsten Tag wird man von bunten Schmetterlingen begleitet die um das Rad flattern und wir suchen den Schatten in der tropischen Hitze, tags darauf dann durch windige Wuesten. Ein staendiger wechsel und die Zwei lehren mir, wie man an den heruntergekommensten Plaetzen die Reise geniesst. Weniger das Ziel in der naechsten Stadt mit Internet sieht und lehren mir die Gemuetlichkeit.
Aber meine Reise schreibt auch traurige Kapitel
Eigentlichwollten wir gar nicht an die Kueste Perus, dort sei es Gefaehrlich so heisst es, muchas latrones.
Da wir keine Karte von Peru auftreiben konnten, (Es gibt meisst nur ein ausgedrucktes D4 Blatt auf denen man die zehn bedeutendsten Staedte des Landes erkennen kann) verpassten wir einen Abzweig richtung Cachamarca.
Es ist ein sehr bedrueckendes Gefuel, durch den flachen, trockenen Wuestenabschnitt (Nationalpark) zu fahren, der eigentlich ein einziger Muellhaufen ist.
Man sieht schon von weiter Ferne die grauen Rauchschwaden des brenneneden Plastiks und darueber, die vielen Aasgeier. Sie kreissen mit schwarzem Gefieder durch die Schwaden. Ein riessiger Lastzug bricht die bedruckende Stille. Mit lautem hupen faehrt er vorbei und draengt uns auf den holprigen Seitenstreifen. Der Gegenwind treibt uns den Gestank des Abfalls in die Nase.
Es gibt Menschen die im Muell leben, sie haben Haeuser aus Muell, wuhlen im Muell, leben vom Muell, schauen uns an, als seien wir Auserirdische, mit ihrer zerlumpten Kleidung, mit schwarzen Fuessen und Haenden.
Dann ragt wieder eine riessige Werbetafal von Coca Cola oder Claro- TV. aus der trockenen Oednis.
Das tragische Ergebnis einer einseitigen Entwicklung des menschlichen Geistes, wo nur noch Materielles zaehlt und mir stellt sich wieder die altbekannt Frage, ob ich denn meinen Kindern die Erde so hinterlassen will.
Eckart Tolle beschreibt es treffend. Die Kriege, die Umweltverschmutzung, Gier nach Geld und Macht die vielen Probleme in Beziehungen, nicht nur zwischen Mann und Frau sind das Spiegelbild des verschmutzten Geistes des Menschen.
Es gilt unserem wilden Geist Zuegel an zu legen, die Identifikation mit dem Ego und dem Denken auf zu geben. Und das Glueck nicht mehr im Aussen zu suchen, denn dort werden wir langfristig nicht fuendig werden.
Mit nachdenklichen Gruessen euer Luki