Overblog Alle Blogs Top-Blogs Reisen & Veranstaltungen
Edit post Folge diesem Blog Administration + Create my blog
MENU
wegsuchend.overblog.com
Werbung

Mango& Avokadozeiten sind vorbei, jetzt wird geschoben

In den letzten Wochen machten es mir die vier Elemente nicht gerade leicht.

WASSER in Form von Schnee, der darauf hin die ERDE in in Matsch verwandelt, die LUFT in Form vom allgegenwertigen Wind, der meisst weniger zu meinen Gunsten weht und FEUER in Form von Sonnenlicht, das reflektiert vom weissen Schnee oder Salz trotz Schutzcrem, mein Gesicht und Haende verbrennt.

Auf richtung Salar Coipasa 200 Kilometer flacher Asphalt Altiplano. Gigantische Weiten die mein kleiner lilaner Foto nicht zu halten vermag. Der Nachmittagswind wird staerker und ich trete ihm im zweitkleinsten gang und 6 kmh entgegen.

Es gehen zweifelnde, schwache Gedanken durch den Kopfe, "Wird die zusaetzliche Fliessdecke mich vor der naechtlich Altiplanokaelte schuetzen? Habe ich genug Benzin fuer den Kocher? Habe ich genug Tomatenmark dabei?" Dann spricht die starke Stimme zu mir. "Aber Luki bisher ha t alles geklappt, du hast dich von Mexiko bis nach Bolivien ohne Kocher durchgeschlagen. Ausserdem sind deine Taschen voll mit Trockenfruechten".

Die Wolkendecke wird grauer und grauer, bis schliesslich der erste Regentropfen auf meine Jacke gepeitscht wird. Der zweifler in mir spricht: " Oh weh, ca 17 Uhr, kein geschuetzter Fleck zum zelten, weit und breit kein Dorf in Sicht". Wasser dringt durch meine Radlerhose, rote Regenjacke haelt dicht.

Dann die Stille in mir, kein zweifeln, kein hoffen, keine Angst. Spuehere das kalte Wasser, wie die Hose klebt, wie die nassen Fuesse sich zu Eiskloetzen verwandeln, hoere das Geraeusch der Reifen auf dem nassen Asphalt und mit der hereinbrechenden Spaetnachmittagskaelte, verwandelt sich der Regen in Schnee.

Die schwache Stimme bricht die Realitaet und plaudert in immer staerker werdender Dringlichkeit auf mich ein, dass ich doch endlich einen Schlafplatzt zu finden haette, weil es nun immer kaelter wird und das ich doch so wieso die einfachere Route direkt nach Argentinien haette nehmen sollen. Der Zweifler in mir wird vom Optimisten unterbrochen."Nimm dich zusammen, so viele eiserne Winternaechte in deiner Jugend bei Schnee und Regen trainiert, was soll dir das an haben. Du weisst doch, wie man in das Leben vertraut".

Dann wieder Stille. Das glitzernde Weiss legt sich wie ein Schleier auf die erdbraune Weite, sehe das Schnee Schnee ist, Sehe was hinter dem Wort Schnee verborgen liegt. Fuesse sind einfach Eiskloetze, kalt und nass, sehe hinter die kuenstlichen Worte kalt und nass und fuehle die Realitaet ohne Zweifel ohne Hoffnung, ohne Angst.

Zwischen den Gedanken liegt, die Realitaet, die Wahrheit! Keine Hoffnung, keine Angst, kein Zweifel und auch keine Fragen.

Ein winziger Einblick in meinen Kopf, mit welchen Stimmen ich mich Tag ein Tag aus herumschlagen muss.

Letztenendes fand ich doch noch ein Doerfchen, welches nicht in meiner Karte gezeichnet ist und komme noch vor der Daemmerung im Dorfraum unter.

Am naechsten Tag bin ich sichtlich ueberrascht, als ich in der Schneelandschaft, auf dem See rosane Flamingos herumstolzieren sehe und sie ihre krummen Schnaebel samt Kopf durchs seichte Wasser gleiten Lassen, um Futter zu finden.

Die etwas kleinere Salzwueste Koipasa voellig untouristisch. Es ist ein Gefuehl als fahre man auf einem zugefrohrenen Meer, die Salzstrucktur auf der Oberflaeche aendert sich. Meisst sind es metergrosse Bienenwabenaehnliche Muster, dann wird die Oberflaeche wieder ganz fein, keine Unebenheiten, es rollt. Eine Zeit darauf umkurft man drei Zentimeter herausrragende mondfoermige Oberflaechenmuster, dann wird wieder alles kraupelig.

Ohne Kompass entferne ich mich von der leicht schwarzen Autospur, immer den zwei Berggipfeln am Horizont entgegen, in der Hoffnung auf den Weg zu gelangen, der die 60 Kilometer von Salar Koipasa nach Uyuni verbindet.

In den wenigen Doerfern finde ich immer einen Platz zum schlafen, in Klassenzimmern oder irgendwelchen vermuellten Huetten, die mir von hilfsberiten Dorfbewohnern zugewiesen werden.

Dreck zusammenfegen, dann das fehlende Glas im Fenster mit Kartong abdichten... Aber besser als draussen mit dem duennen Schlafsack zu Campen.

Salar Uyuni naechtige ich im weissen nichts, alles weiss, keine Gerausche nur mein atmen, mir ist aufgefallen dass ich einen ganz leisen Tinitus hoere, den ich zuvor noch nie wahrgenommen habe.

Noch nie hat sich mir die Pracht des Sternenzeltes so wuenderschoen offenbart.

Bis ca 4 Uhr Nachts verweile ich im Tiefschlaf, doch dann wecken mich trotz drei warmen Sockenpaaren meine Eisfuesse und es faengt an kalt zu werden. Die Wasserflaschen im Zelt sind halb gefrohren und ich warte die letzten zwei Stunden sehnsuechtig auf den waermenden Sonnenaufgang, und bereite dann meinen heissen Morgenbrei zu.

Zweite Nach in Salar Uyuni verbringe ich auf Isla Inka Wasi, wo ich fuer 30 Bolvianos(3 Euro) ein Zimmer bekomme.( Dort treffe ich zwei nette radelnde Oesterreicht aus Salzburg, reiserichtung Norden).

Die Insel ist touristisches Reiseziel, wo das "faule Touristenpack"(wie ich sie scherzend nenne) in den Jeeps, wie Wahren herangefahren werden. Eine halbe Stunde werden Fotos gemacht. Wenn der Touristenfuehrer pfeift, werden die Sonnenbrillentragenden Bleichlinge wieder abtransportiert. Es ist schon Radreisetradition, sich in den Salar Uyuni, 15 Minuten auf dem Rad nackt zu presentieren um, die Jeeptouristen ein wenig zu erheitern.

12 Liter Wasser wieder aufgefuellt und weiter geht es zur Lagunenroute, fuer die ich weitere sieben Tage benoetige.

Manchmal einsam, manchmal wunderschoen, manchmal voellig entkraeftigt, manchmal wuenschend schon bei der Cousine in Cordoba zu sein oder zumindest in Chile. Manchmal wuenschend diese Reise wuerde niemals enden.

Kilometer langes schieben durch Sandstrassen ueber hoppelnde kaum befahrbare Wellenblechstrassen. Wege, uebersaeht mit faustgrossen Steinen, Paesse erklimmend, die Luft so duenn, dass ich immer wieder zu Pausen gezwungen werde.

Doch mein Blut sprudelt nun vor roten Blutkoerperchen.

Manchmal nicht faehig die wunderschoene Landschaft, zu geniessen manchmal in glueckseligkeit schwelgend, beim Anblick der blauen Seen und der weissen Gipfel.

Immer wieder werde ich von rassenden Touristenjeeps ueberholt, die ich manchmal zum stehen bringen kann, um die richtigkeit meines Weges zu erfragen. In den wenigen kleinen Siedlungen findet man selten Brot, kein Gemuese, keine Haferflocken.

Tage, an denen ich nur 30 Kilometer schaffte, Tage an denen mich der Wind ueber die Schotterstrassen schiebt.

Schliesslich komme ich doch noch in San Pedro de Atacama an, wo ich sogleich Kurt aus Nordamerika und einen franzoesichen Weltumradler treffe. Mit ihnen mache ich mich zwei Tage spaeter durch luftige Hoehen auf den 700 Km Weg nach Salta in Argentinien.

Nun geniesse ich hier die warmen Naechte und freue mich schon auf die morgige Weiterfahrt nach Kafaiate.

Herzliche Gruesse vom Lukiluk aus Salta

Werbung
Diesen Post teilen
Repost0
Um über die neuesten Artikel informiert zu werden, abonnieren:
Kommentiere diesen Post
K
Hallo Luki,<br /> Respekt! Deine schriftstellerischen Fähigkeiten sind beachtlich. Noch mehr bewundere ich deine Energie, wie du es schaffst, monatelang durch Südamerika mit dem Fahrrad zu fahren und dich immer wieder selbst zu motivieren. Also, halte durch und bleib gesund, bald bist du am Ziel. Schon ein halbes Jahr liegt jetzt mein Ecuador-Urlaub zurück. War toll, dass ich dich getroffen habe. <br /> Liebe Grüße <br /> Klaus
Antworten
D
Lieber Luki, bei deinen Gedanken vom Salar de Coipasa bin ich ganz bei dir. Das ist das Leben des Radreisenden!!! Und wenn LukiLuk mal nur 30km am Tag schafft, dann will das wirklich was heissen!!!<br /> <br /> Abrazo amigo - nos vemos en Innsbruck<br /> Daniel
Antworten
M
Lieber Luki!<br /> Du bist ja ein Poet! Freue mich immer über deine Texte und die schönen Bilder auf denen mir ein bißchen die Alpakas fehlen.Ich wünsche dir,. dass die Kälte bald ein Ende hat. (bei uns fängt sie gerade an) <br /> Ganz liebe Grüße deine Mamu
Antworten