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Weisse Riesen

Ich will noch mal richtig in die Berge dachte ich mir an der Kueste in Trujllo in der drittgroesste Stadt Perus. Ich radle 70 Kilometer an der Kueste entlang richtung Sueden, und geniesse es, wieder allein in die Pedale zu treten, es war eine schoene Zeit mit den zweien aber ich wollte wieder alleine reisen.

Ein letzter Blick aufs Meer, dann links weg in die Anden. D.h mitten in ein Trockengebiet mit wuestenaehnlichem Charakter, keine Pflanzen, nur Duenen und Felsen ragen empor. Das erste Dorf kommt mir in der Daemmerung etwas unheimlich arm vor also radle ich weiter an den Baracken vorbei und komme ins fruchtbare Flusstal, wo ich nach einer halben Stunde, links oben ein serioes erscherinendes Gebaeude erkenne. Also den Schotterweg hoch. Oben werde ich von einem aggressiv bellenden Hund begruesst und erkenne ein Gebeaudekomplex, mit Stromzaun gesichert, sehe wie ein Wachmann im Gebeaude seine Pistole laedt, er kommt mir misstrauisch entgegen und als er mein Anliegen erfaehrt , bittet er mich in die eingezaeunte Anlage herein schliesst wieder ab und fordert meinen Pass, da ueberkam mich schon ein mulmiges Gefuehl, so machtlos in den Haenden eines bewaffneten Paruaners zu sein.

Nach einer weile sagt er, es sei gut dass ich heute hier uebernachten kann, denn letzte Woche sei auf der Strasse einer erschossen worden. Er bietet mir sogar ein Bett an und, bekocht mich. Es sei ein Stromagregat hier, den er zu bewachen hat.

Am naechsten Tag mache ich mich auf Schotterstrassen, mit einer halben Melone vom Wachmann, wieder eiligst auf den Weg um in die Berge zu kommen. Ich sehe immer oefters verschiedene Kakteenarten und die Landschaft wird felsiger. Der weg schlaengelt sich neben dem wilden Fluss, flach ansteigend empor. Am folgendem Abend schlage ich auf ca 2000 metern mein Zelt an einer Windgeschuetzten Stelle in einem Steinbruch auf. Nach einer ruhigen Nacht(kein Hundegebaell und Autolaerm, wie so oft) Gibts morgens ein Milchpulvergemisch aus Wasser, Haferflocken und Rosinen.

Die drei Tage radelen von Chao nach Caraz , ein Paradies fuer Landschftsfotografen.

Der gruenlich schimmernde Fluss verlaeuft, zwischen hundert Metern hohen grandiosen Steinwaenden mit wunderschoenen Musterungen.

Ein Meisterwerk der Strassenbauer, denn der Weg ist 100 m oberhalb des Flusses in den Fels gehauen, links geht es senkrecht hinab.

Selten, wenn sich das Tal etwas weitet, durchreise ich Doerfer, deren Heauserzahl die Einwohnerzahl deutlich uebersteigt. Vorbei an vielen Lehmhausuruinen und verlassenen Kohleminen. Weiter oben geht es durch ueber 40 Tunnels in denen es stock dunkel ist, wie riessige Mauseloecher erscheinen sie mir.

Dann kommen die ersten belebten Doerfer es wird wieder gruener. Am Rande der Strasse stehen vereinzelt Granatapfelbuesche, an deren Fruechten ich mich labe oder ich nehme von den langen schootenartigen Fruechten, deren Samen von weissem suessem Fruchtfleisch umgeben ist, die an grossen Baeumen haengen.

In Caraz uebernachte ich in der Turnhalle. Am naechten Tag geht es weiter, vorbei an kleinstruckturierter Landwirtschaft. Durchschnittliche Ackergroesse ist 15 mal 20 Meter.

Das allermeisste wird von Hand gearbeitet, sehe zwei Jungs die das Pferd am steilen Acker fuehren, wie die Schaar in den Kartoffeldamm sticht, mit schnellen haenden werden die Erdfruechte eingesammelt und in Saecke gepackt . Ich hoere noch ein par Gringorufe und good by Mister vom oberen Steilen Acker.

Links bunt gekleidete Frauen mit Babys auf dem Ruecken die Getreidegaben binden, rechts Ein Bauer mit zwei Ochsen und dem Pflug.

Sehe zwei Esel , die unter der Maispflanzenlast kaum zu erkennen sind, der Mann der sie fuehrt ist selbst auch schwerst Beladen, haelt aber mit der linken Hand sein mobiltelefon ans Ohr. Hinterher tribbelt ein tolles kleines Eselbaby.

Dann ueberhole ich eine Herdenmischung aus zwei Kuehen, drei Schweinen zehn Schafen und einem Esel. Getrieben von einem ca 14 Jaehrigen Jungen, rieche den Duft von frischgefaellten Eukalyptusbeaumen.

Fuer mich ist es so beeindruckend das alles zu sehen, ein Geschenk. Es ist mir unangenehm die Menschen beim arbeiten zu fotografieren und ich habe ein schlechtes Gewissen. Wenn ich mit Indios ein nettes gespraech habe, will ich oftmals nicht fragen ob ich ein Foto machen darf, es kommt mir so zerstoererisch vor, die Menschen hier wollen es meisstens auch nicht.

Ich halte oft bei den Schweinen an, die am Strassenrand das Gras durchschnufern.

Und manchmal opfere ich zu meiner Freude, halbwuechsigen Schweinchen ein Weckle, die dann quikend und balkend darum streiten. Ich durfte vor kurzem sieben frischgeborene beim Kampf um die Zitzen der Mama beobachten, da war ich sehr geruehrt. Es ist ein Genuss, dabei zuschauen zu duerfen, wie sich die Muttersau in die grosse Schlammpfuetze hineinlegt und sich raekelt und ihren ruecken kratzt.

Dann weiter oben auf den Bergen wird es wieder einsamer. Baeume werden zu Buesche und irgendwann gibt es nur noch Graeser und Bergpflanzen.

Es durchfaehr mich ein Sehnsuchtsgefuehl, wenn ich in der Ferne die in der Sonne glitzernden Schneebdeckten Berggipfel erblicke.

Ich mag es sehr gern mich in den Bergen ins Gras zu legen. Ich hoere nichts, nur ein summen einer Hummel, wie der Wind durch die Graeser weht, sehr weit entfernt das kaum hoerbare rauschen eines Baches...

Ich mag es in den Bergen frische Milch zu trinken. Als ich die Frau mit ihrem Hut und der roten Kleidung nach dem Preis frage sagt sie. Nada jovensito--- nichts Juengling(:

Die Menschen ueber 4000m leben in kleinen runden Steinhuetten die mich an die Behausung von Hoerbe und Zwottel erinnert, sie leben hier so einfach, ohne schnickschnack.

Hier oben geht es langsamer voran ich muss alle 10 Minuten Pause machen, dann alle fuenf Minuten, und fuehle mich wie ein alter Opa.

Ich erblicke Herdenweise Lamas in ihrem weissen Fell und wenn ich laut Huhu rufe, recken sie ihre langen eleganten Haelse und acht dutzend Lamas schauen mich verwundert und interressiert an, wenden sich nach kurzer Zeit aber wieder dem mageren Gras und den leckeren Bergkraerutlein zu.

Und oben angekommen freue ich mich schon auf die Abfahrt, denn es ist arschkalt, ich habe Kopfweh und der Tag neigt sich schon dem Ende zu, noch einen letzten Blick an den Horizont, wo ich die weissen Riessen erblicke, sie haben etwas erhabenes, das menschliche Dasein erscheint dagegen so bedeutungslos und vergaenglich.

Liebe Gruesse vom Luki aus Pampas

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B
Lieber Luki <br /> Eine packende und sehr emotionale Beschreibung -klasse -nur die Fotos Schamgefühl hin -Schamgefühl her ,die hätten mir schon noch dazu gefallen .Ein wenig aus meiner in deine derzeitige Welt zu fallen -das wär gerade was für mich-Neid...Neid <br /> Liebe Grüsse von deinem Babba
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M
Lieber Lukas!<br /> Die Beschreibung der Landschaft und dein Erleben dazu hat mich sehr gerührt.<br /> Mein Leben kommt mir auch oft kompliziert vor ,obwohl es mir sehr gut geht,aber die Vorstellung von so einen einfachen natürlichen Dasein hat schon seinen Reiz.Doch meist haben die Menschen die so leben ganz andere Wünsche.<br /> Liebe Grüße Mamu
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