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Zeit der Dankbarkeit

Die letzten Wochen waren sehr naturintensiv. Mein Zeltplatzansprueche hatten ein hohes Niveau erreicht. So musste am Ende ein See oder zumindest ein schmuckes Baechlein zeltnaehe vorbeigurgeln.

Ich nutzte die Gewaesser oft, um meine vor staehlerne Hornhaut schwielenden Fuesse zu kuehlen. Das Geschirr wollte gespuehlt sein oder Zaehne waren zu putzen.

Natuerlich bevorzugte ich Plaetze mit Sicht auf weisse Schneegipfel. Kein Baum durfte die im Osten aufgehende Sonne abhalten, mein Zelt zu erwaermen. Ich ergoetzte mich jeden Morgen an einem eissig kalten schwung Wasser, der mir den Schlaf aus meinem rot verbranntem Gesicht spuehlte.

Von San Carlos de Bariloche radelte ich die letzten 120 Kilometer Nach El Bolson. Der Wegesrand ist von rosanen, blauen oder violetten Lupinen geschmueckt und die intensiev gelb bluehenden Gingsterbuesche zieren zusaetzlich die Seen und Berglandschaft.

40 Kilometer vor Bolson stelle ich zeitig ein letztes mal mein Zelt auf und lausche dem rauschen des Flusses, koche den letzten Reis mit einer leckeren Cardamon/Currysosse. Pfluecke Brennholz von den Baeumen. Spaeter liege ich dann neben dem waermenden Feuer und schaue empor in die weiten des Himmelzeltes, wie wir es in Deutschland nicht zu sehen bekommen.

Ich lasse Erlebnisse meiner Reise noch ein mal Revue passieren, was sich anfuehlt als treibe man mir Dornen ins Herz und mich ueberkommt eine schmerzende Melancholie. Daraufhin konzentrierte ich mich wieder auf das knissternde Feuer und auf die Gegenwart.

Das Reisen kann eine Lebensschule sein, Und speziell das Radreisen kann zu den Elitegymnasien der Lebensschuelen zaehlen. Es kommt eben ganz darauf an, wie der Schueler mit den Gestellten Aufgaben um geht.

Sehr viel meiner “kleinen Reise” ist auf das “grosse Leben” uebertragbar. Die Durststrecken durch endlos scheinende Trockengebiete, lehrten mir das ” Unangenehme” auszusitzen. Situationen koennen sich in 0 , nix um 180 grad wenden. Das lehrte mir flexiebel zu sein, sich an die Umstaende an zu passen.

Eine Woche vor meinem Abflug nach Mexiko war ich wie so oft per Anhalter von Freiburg nach Backnang unterwegs. Auf der A81 sass ich mit einer Wahrsagerin im Auto. Ich schilderte ihr die Idee meiner Reise.

Als ich mich verabschiedet hatte, rief sie mich zurueck, nahm meine Hand und betrachtete meine Handinnenflaechen. Sie deutete mir, ich werde auf meiner Radreise ungekannte Hoehen und ungekannte Tiefen durchleben aber wieder gesund nach Deutschland zurueckkehren.

Es waren vorallem ungekannte Hoehen, die ich auf der Reise durchlebte, sowohl mental als auch lanschaftlich. Die mentalen tiefen gab es natuerlich auch. Ungekannt waren diese jedoch nicht. Die ungekannten Tiefen bezogen sich wahrscheinlich ehr auf die Tiefen in mir selbst, dass in mich selbst vertiefen.

Auf meiner Reise habe ich gesehen, dass alle Menschen Leiden oder anders ausgedrueckt, von staendigen Emotionen geplagt sind, die auf Gedankengaengen basieren, von denen wir meinen sie seine die Realitaet.

Egal wo ich war ich habe sie ueberall gesehen, die von leiden heimgesuchten Menschen. In allen Zonen ueber mittel oder Suedamerika. Egal ob mittelloser Bauer oder mercedesfahrender Chilene.

Wir sitzen sozusagen in einem Gefaengnis, welches sich nur von innen oeffnen laesst. Im Gefaengnis des Leidens, haengen wir an den Gitterstaeben. Wir vergleichen im Aussen, wir versuchen durch Sinnesfreuden oder Materielles eine Befriedigung des Geistes herbeizufuehren, dem wir uns verknechtet haben. Wir tun alles um diesem Intellekt zu dienen, der uns eine Illussion von Gluecklichkeit in der Zukunft verspricht, was er aber nie einhalten wird.

Wenn wir denken befinden wir uns nie in der Gegenwart, sondern immer in der nicht existenten Zukunft oder Vergangenheit. Das einzige was existiert ist der jetzige Moment. Probleme sind nicht existent sondern sind nicht mehr als kuenstliche Gedankenkonstruckt des Geistes. Alles Leiden verschwindet, wenn wir auf den gegenwaertigen Moment konzentrieren.

In sehr vielem was ich hier schreibe bin ich nicht authentisch ich habe natuerlich die weltlichen Probleme, zerbreche mir den Kopf ueber unwesentliche Dinge, hafte mit dem Intellekt an erlebten in der Vergangenheit. Es sind eben Ziele fuer mich selbst, Phaenomene die ich mir immer wieder bewusst machen muss, die mich dann wieder auf den richtigen und wichtigsten Weg fuehren.

Ich moechte mich bei allen bedanken, die mich in den letzten zwoelf Monaten unterstuetzt haben. So viele Menschen stopften mir meine Taschen mit Mangos, Bananen oder Avokados voll. Einige Menschen luden mich in ihr Haus ein. Prunkhaeuser durfte ich bewohnen als auch in Huettchen.

Ich bin sehr dankbar dafuer, nicht die Aufgabe gestellt bekommen zu haben mit einem Raubueberfall oder Unfall/Sturz umgehen zu muessen.

Ein von mir sehr hochgeschaetzter Mensch schrieb mir einst: " Fuer mich ist das Mass fuer Weisheit immer in denjenigen Menschen zu finden, die einerseits die geistige Aufwaertsentwicklung anstreben und andererseits die Bodenhaftung nicht verlieren".

Mit diesem Zitat, werde ich meinen Blog abschliessen, mich nun meinem schwaebischen Schicksal unterordnen und im schwaebisch gefuehrten Milch und Obstbaubetrieb meines Onkels arbeiten. Natuerlich in einem gesunden Mittelmass, denn nur der mittlere Weg fuehrt ins Nirvana oder Paradies.

Es gruesst und Kuesst euch Euer Luki

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A
hi luki :-)<br /> freut mich riesig zu hörn wie tiefsinnig dein post ist und wie bewusst du deine umwelt und dich selbst wahrnehmen kannst. danke für das teilen deiner erfahrungen auf dieser ganz besonderen reise von dir.<br /> hoffe man sieht sich mal wieder alter sonnenschein ;-)<br /> grüsse den gott in dir,<br /> andi
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