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Kleiner Ritt durchs gruene, von Mendoza nach El Bolson

Diese Vorstellungen entsprach leider nicht der Realitaet. Die Koenigsroute nach Suedpatagonien, Routa 40 entpuppte sich zeitweise als ein klaegliches versandetes Schotterstraesschen.

Nichts fuer Weicheier. Hinzu kam der heftige Dauergegenwind, wie ein Schneck krieche ich nach Sueden, so kommt es mir zumindest vor. War schon am ueberlegen Onkel Pablo ab zusagen und wieder zurueck in den Norden zu fahren, doch dann dachte ich an den in Suedpatagonien waehrenden Fruehling, an die Blumen, mein Gemuet duerstet regelrecht nach frischem gruen, mein Zelt wieder auf saftigem Gras aufstellen zu koennen, diese Vorstellung gibt mir die Kraft, mit gleichmut gegen den Wind zu radeln.

Zwischen der kleinstadt Malargue dem Doerfchen Bardas Blancas ging mein rechtes Pedallager kaputt. Nicht zu glauben wie schwer es war, einen rechten Trebbel zu finden.

Am zweiten Tag in Blancas, erbarmte sich das Schicksal und fuehrt mich zu einem Kiosko ausserhalb des Dorfes. Der alte Mann hatte noch auf dem Schuppendach zwei Dratesel liegen.

Waehrend die Nachbarn gerade einen weissen schreienden Schafbock auf den Ruecken legen um diesem Schoenling die Kehle durchzuschneiden, versuche ich mit dem fuenfzhener Gabelschluessel das Verrostete Pedal zu loesen. Nach und nach wird das lange Zottelfell vom noch warmen leblosen Koerper abgezogen, der Magen und das Herz von den uebrigen glibberigen Innerein Getrennt und ueber den Zaun gehaengt. die Zunge haengt weit aus dem geoeffneten Maul des Abgetrennten behornten Schafkopfes heraus. Ich ueberlge, wie macht das mein Onkel Peter in der Werkstatt immer. Sogleich finde ich ein Rohr dass mir als Verlaengerung meines Schluessels dient. Waehrenddessen geht der Nachbar in den Stall und kommt mit einem klaeglich schreienden Zicklein unter dem Arm wieder heraus, waehrend schliesslich auch dieses suesse Ploeken verstummt, loese ich mit einem kraefftigen Ruck das Pedal.

Nun fahre ich mit einem klickpedal und einem normalen Pedal durch die endlosen Weiten Suedamerikas, mit einem weissen und einem schwarzen Schuh ueberquere ich Berge und Fluesse.

Vereinzelt sehe ich einsame Reiter in der Ferne und ueberlege, wo ich mein Geld versteckt habe. Habe ich wohl zu viel Lucky Luck in meiner Kindheit gelesen, dass beim Anblick eines Reiters unterbewusst solch negativen Assosationen hervortreten. Wenig spaeter kann ich sehen wie er friedlich seiner Geisenherde nachreitet, die man zwischen den Bueschen kaum erkennt.

An den Ziegenhoefen die es in der trockenen Einoede vereinzelt gibt, frage ich stets nach Kaese, sie sagen aber immer, die Geisen seien noch zu jung und ich muss mich dann eben wieder mit dem seltsamen Weichkaese auf dem Brot zufrieden geben, der in allen Laedchen verkauft wird.

Ich habe ein gemuetliches Schlafgemach mit Matratze, im Vorraum der Toilette einer Sporthalle in Chos Malal auffinden koennen.

Ein sehr sympathisches nettes Staedtchen, mit Supermaerkt, mit allem was das Herz begehrt.

Die Sonne lacht und der bewaesserte gruene Park lockt mit einem schattigen Plaetzchen unter den Pappeln.

Ein bischen musizieren ein bischen Siesta halten, dass wird meinen mueden Knochen gut tun.

Herzensgruesse, euer Luki

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D
GROSSES, GROSSES POETISCHES TALENT!!!!!!!!!!!!!<br /> <br /> Es drueckt dich dein Reiseabschnittsbegleiter Daniel der auch ein von Huerden gepraegtes letztes Monat hatte und nun (so wie auch du bald) gluecklich an seinem Ziel angekommen ist.
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O
Lieber Enkel Lukas,<br /> Ich wünsche dir, dass der Wind sich dreht und dich schnell deinem Ziel näher bringt. Es ist ja nun absehbar und bald werde ich vor Freude und Erleichterung ein Glas Sekt trinken.<br /> Bin mächtig stolz auf dich !! (war ich vorher aber auch schon)<br /> In Gedanken umarmt dich deine Oma Erika
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